Dockge vs. Portainer: Welches Docker Compose UI ist besser?

Wer Docker Compose-Stacks verwalten möchte, hat heute eine klare Wahl zwischen zwei etablierten Web-UIs: Dockge und Portainer. Beide Tools ermöglichen es, Container-Workloads über den Browser zu steuern — unterscheiden sich aber fundamental in Ansatz, Zielgruppe und Funktionsumfang. Dieser Artikel zeigt, welches Tool für welchen Anwendungsfall die bessere Wahl ist.

Was ist Dockge?

Dockge ist ein 2023 veröffentlichtes Open-Source-Projekt des Entwicklers Louis Lam — bekannt für Uptime Kuma. Es wurde explizit als "stack-focused Docker Compose Manager" entwickelt und verfolgt einen klaren, eingeschränkten Ansatz: Es verwaltet ausschließlich Docker Compose-Stacks, keine einzelnen Container, keine Kubernetes-Deployments.

Das UI ist minimalistisch, schnell und intuitiv. Jeder Stack hat seine eigene Seite mit Live-Logs, Statusanzeige und direktem Zugriff auf die docker-compose.yml. Der eingebaute Editor mit Syntax-Highlighting macht es einfach, Stacks direkt im Browser zu bearbeiten.

Technisch: Dockge ist eine Node.js-App mit Vue.js-Frontend und WebSocket-basiertem Echtzeit-Logging. Es läuft selbst als Docker Container und benötigt Zugriff auf den Docker Socket.

Was ist Portainer?

Portainer ist das bekannteste Container-Management-UI im Self-Hosting-Bereich. Es existiert seit 2016 und unterstützt neben Docker auch Docker Swarm, Kubernetes und Nomad. Portainer bietet eine vollständige GUI für nahezu alle Container-Operationen: Images, Volumes, Networks, Stacks, Container-Shell-Zugriff, Registry-Verwaltung und vieles mehr.

Es gibt zwei Editionen:

  • Portainer CE (Community Edition): Kostenlos, Open Source, für Einzelnutzer und kleine Teams
  • Portainer Business Edition: Kostenpflichtig, mit RBAC, SSO, Audit-Logs, Multi-Cluster-Management

Portainer ist deutlich komplexer und mächtiger als Dockge — bietet aber auch eine entsprechend steilere Lernkurve.

Funktionsvergleich

Feature Dockge Portainer CE
Docker Compose Stacks ✅ Kernfunktion ✅ Vollständig
Einzelne Container
Docker Swarm
Kubernetes
Registry-Verwaltung
Shell-Zugriff (exec)
Live-Logs ✅ Hervorragend
Multi-Host-Support ✅ Agents ✅ Endpoints
RBAC / User-Management ✅ (Basic in CE)
Setup-Komplexität Sehr gering Mittel
Ressourcenverbrauch ~30MB RAM ~200MB RAM

Performance und Ressourcenverbrauch

Dockge ist extrem leichtgewichtig. Der Container benötigt typischerweise 20–40 MB RAM und kaum CPU. Das macht es ideal für kleine Homelab-Server oder VPS-Instanzen mit begrenzten Ressourcen.

Portainer ist deutlich ressourcenhungriger. Im Leerlauf verbraucht es 150–300 MB RAM, besonders bei der Business Edition mit erweiterten Features. Für einen kleinen 2-GB-VPS ist das ein spürbarer Overhead.

Developer Experience

Dockge punktet mit seiner hervorragenden Developer Experience. Die YAML-Bearbeitung im Browser, das sofortige Live-Logging und das klare UI-Konzept machen es zur bevorzugten Wahl für Entwickler, die ihre Compose-Stacks schnell verwalten wollen.

Ein besonderes Feature: Dockge speichert alle Stacks als reguläre docker-compose.yml-Dateien auf dem Dateisystem (in /opt/stacks). Das bedeutet volle Kompatibilität mit CLI-Tools und Git-Versionierung.

Portainer bietet zwar ebenfalls einen Stack-Editor, speichert aber Konfigurationen in einer eigenen SQLite-Datenbank. Das macht Backups notwendiger, schränkt aber auch die Portabilität ein.

Wann Dockge verwenden?

Dockge ist die bessere Wahl, wenn:

  • Der Fokus ausschließlich auf Docker Compose-Stacks liegt
  • Ressourcen knapp sind (kleiner VPS, Raspberry Pi)
  • Eine saubere, übersichtliche UI ohne Ablenkungen gewünscht ist
  • Compose-Files auch weiterhin CLI-kompatibel bleiben sollen
  • Schnelle Einrichtung mit minimalem Overhead gefragt ist

Ein typischer Dockge-Usecase: Homelab-Server mit 20+ Docker Compose-Stacks, die regelmäßig aktualisiert und überwacht werden müssen.

Wann Portainer verwenden?

Portainer ist die bessere Wahl, wenn:

  • Auch einzelne Container, Volumes und Networks verwaltet werden sollen
  • Docker Swarm oder Kubernetes eingesetzt wird
  • Multi-Node-Management benötigt wird
  • Ein Team mit unterschiedlichen Zugriffsrechten die Infrastruktur verwaltet
  • Eine vollständige GUI für alle Docker-Operationen benötigt wird

Installation im Vergleich

Dockge Installation:

version: "3.8"
services:
  dockge:
    image: louislam/dockge:1
    restart: unless-stopped
    ports:
      - "5001:5001"
    volumes:
      - /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock
      - /opt/stacks:/opt/stacks
      - ./data:/app/data
    environment:
      - DOCKGE_STACKS_DIR=/opt/stacks

Portainer Installation:

version: "3.8"
services:
  portainer:
    image: portainer/portainer-ce:latest
    restart: unless-stopped
    ports:
      - "9000:9000"
      - "9443:9443"
    volumes:
      - /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock
      - portainer_data:/data
volumes:
  portainer_data:

Fazit: Dockge oder Portainer?

Für die meisten Homelab- und Self-Hosting-Szenarien ist Dockge die bessere Wahl. Es ist schneller eingerichtet, leichter zu verstehen und genau auf den häufigsten Anwendungsfall zugeschnitten: Docker Compose-Stacks verwalten.

Portainer ist die richtige Wahl, sobald komplexere Anforderungen auftauchen — insbesondere Multi-Node-Setup, Kubernetes-Integration oder Team-Verwaltung. Die Business Edition bietet echten Enterprise-Mehrwert, ist aber für den privaten Einsatz zu kostspielig.

Meine Empfehlung: Wer bisher noch kein Container-UI nutzt, sollte mit Dockge starten. Der Einstieg ist einfacher, und für 90% aller Self-Hosting-Workloads reicht es vollständig aus.