Das Backup-Dilemma für Self-Hoster
Backups sind langweilig – bis sie gebraucht werden. Dann entscheidet die Wahl des richtigen Tools über alles. Für Self-Hoster und Heimserver-Betreiber gibt es zwei starke Open-Source-Optionen: Duplicati und Kopia.
Beide sichern Daten auf Remote-Storage (S3, Backblaze B2, SFTP, etc.), beide unterstützen Verschlüsselung, und beide sind kostenlos. Aber ihre Architektur und Zielgruppe unterscheiden sich deutlich.
Duplicati: Der bewährte Klassiker
Duplicati existiert seit 2012 und ist eines der bekanntesten Backup-Tools im Open-Source-Bereich. Es bietet eine vollständige GUI und ist für Einsteiger konzipiert.
Funktionsumfang
Breite Backend-Unterstützung: Duplicati unterstützt 20+ Storage-Backends:
- Amazon S3, Backblaze B2, Google Drive, OneDrive
- SFTP, FTP, WebDAV
- Rclone (als Proxy für weitere 40+ Provider)
- Azure Blob Storage, Wasabi, DigitalOcean Spaces
Weboberfläche: Duplicati bringt eine integrierte Web-UI mit:
http://localhost:8200 # Standard-Adresse der Duplicati-Web-UI
Über diese UI kannst du Backup-Jobs anlegen, Zeitpläne konfigurieren und den Status überwachen – ohne die Kommandozeile zu berühren.
Scheduling und Notifications: Duplicati hat integriertes Scheduling und kann E-Mail, Pushbullet oder HTTPS-Webhooks für Notifications nutzen.
Verschlüsselung: AES-256 ist Standard. Der Encryption Key liegt nur bei dir – auch wenn du Google Drive als Storage nutzt, sieht Google nur verschlüsselten Ciphertext.
Deduplizierung: Duplicati segmentiert Dateien in Blöcke und dedupliziert auf Block-Ebene. Identische Blöcke werden nur einmal gespeichert.
Schwächen von Duplicati
Performance-Probleme: Duplicati kann bei großen Backup-Sets sehr langsam werden. Die SQLite-Datenbank für den lokalen State kann bei Millionen von Dateien zum Flaschenhals werden.
Instabilität: Duplicati hatte historisch Stabilitätsprobleme – Backups, die korrupt wurden, fehlgeschlagene Restores, SQLite-Korrumption. Version 2.x ist deutlich stabiler, aber das Vertrauen der Community wurde beschädigt.
Memory-Intensive: Für sehr große Backup-Sets (1 TB+) kann Duplicati erheblichen RAM benötigen.
Duplicati 3 (Beta): Eine vollständige Neuentwicklung (Duplicati 3, früher bekannt als "Duplicati Next") ist seit 2023 in der Beta-Phase. Sie verspricht bessere Performance und Stabilität, ist aber noch nicht produktionsreif.
Kopia: Modernes Backup für Power-User
Kopia wurde 2018 als "next-generation backup tool" gestartet. Es ist schneller, effizienter und für Server-Umgebungen ausgelegt – hat aber eine steilere Lernkurve.
Was Kopia anders macht
Content-Addressable Storage (CAS): Kopia nutzt ein ähnliches Konzept wie Git: Jeder Datenblock wird durch seinen Hash identifiziert. Das ermöglicht:
- Echte Deduplizierung über mehrere Backup-Jobs
- Effiziente inkrementelle Backups
- Schnelle Verifikation der Integrität
Geschwindigkeit: Kopia ist erheblich schneller als Duplicati, besonders für:
- Sehr große Backup-Sets (10 GB+, 100 GB+)
- Viele kleine Dateien
- Inkrementelle Updates
Parallele Verarbeitung: Kopia verarbeitet Backups multi-threaded und nutzt mehrere CPU-Kerne effizient.
Repository-Konzept: Kopia arbeitet mit dem Konzept von "Repositories" – ein Repository ist ein verschlüsselter, deduplizierter Datenspeicher auf einem Backend:
# Repository erstellen (S3)
kopia repository create s3 --bucket=my-backups --access-key-id=AKI... --secret-access-key=... --password=mein-starkes-passwort
# Snapshot erstellen
kopia snapshot create /home/user/
# Snapshots anzeigen
kopia snapshot list
# Restore
kopia snapshot restore k... /home/user/
Kopia UI: Kopia hat auch eine Electron-basierte Desktop-GUI (KopiaUI) für Windows, macOS und Linux. Sie ist weniger mächtig als Duplicatis Web-UI, aber für grundlegende Operationen ausreichend.
Kopia Server: Kopia kann als Server betrieben werden, der mehrere Clients bedient und eine Web-UI auf Port 51515 anbietet.
Mount: Du kannst ein Kopia-Repository als virtuelles Dateisystem mounten und direkt durch deine Backups navigieren:
kopia mount all /mnt/kopia-backups &
ls /mnt/kopia-backups/ # Zeigt alle Snapshots als Verzeichnisse
Schwächen von Kopia
Steilere Lernkurve: Kopia ist CLI-first. Für Einsteiger ohne Kommandozeilenerfahrung ist Duplicati einfacher zu starten.
Neueres Projekt: Kopia hat eine kleinere Community und weniger Dokumentation als Duplicati.
Keine native SFTP-Kompression: Kopia komprimiert Daten im Repository, aber der Transfer zu SFTP-Servern ist nicht komprimiert (anders als Duplicati mit SFTP-Kompression).
Direkter Vergleich
| Kriterium | Duplicati | Kopia |
|---|---|---|
| Web-UI | ✓ (Browser) | ✓ (eingeschränkt) |
| Desktop-App | ✓ | ✓ (KopiaUI) |
| CLI | ✓ | ✓ (bevorzugt) |
| Performance (groß) | Mittel | Sehr gut |
| Deduplizierung | Block-basiert | Content-Adressable |
| Verschlüsselung | AES-256 | AES-256-GCM |
| S3-Backends | 20+ | 20+ |
| Repository-Mount | ✗ | ✓ |
| Parallelisierung | Begrenzt | ✓ (multi-threaded) |
| Stabilität | Gut (v2.x) | Sehr gut |
| Einsteigerfreundlich | Sehr gut | Mittel |
| Community | Groß | Mittel |
Praktischer Einsatz: Kubernetes + MinIO
Für Kubernetes-Cluster-Backups ist Kopia eine gute Wahl – aber spezialisierte Tools wie Velero oder Kasten K10 sind dafür noch besser geeignet. Kopia und Duplicati sind primär für Datei-Backups konzipiert.
Für die Kombination Kopia + MinIO (S3-kompatibler Self-Hosted Storage) ist das Setup besonders attraktiv:
# MinIO als Kopia-Backend
kopia repository create s3 --bucket=backup --endpoint=minio.example.com:9000 --access-key-id=minioadmin --secret-access-key=minioadmin --disable-tls-verification # nur für Self-Signed-Certs
Empfehlung
Duplicati wählen, wenn:
- Du eine vollständige Web-UI ohne CLI willst
- Du Backup als NAS-User einrichten willst (Synology, TrueNAS)
- Du wenige, kleine bis mittelgroße Backup-Jobs hast
- Du SFTP oder Google Drive als Hauptbackend nutzt
Kopia wählen, wenn:
- Du Server-Backups mit vielen Daten (10 GB+) verwaltest
- Du maximale Performance und Effizienz willst
- Du die CLI komfortabel nutzen kannst
- Du Repository-Mount für einfachen Restore brauchst
- Du Kopia + MinIO im Homelab betreibst
Für den typischen Self-Hoster mit einem Heimserver und moderaten Datenmengen: Kopia ist die modernere und leistungsfähigere Wahl, wenn die Lernkurve kein Problem ist. Für NAS-User oder Einsteiger ist Duplicati die zugänglichere Option.
Weiterführende Artikel
- Restic vs. Borg Backup: Backup-Lösungen für Server und Self-Hosting im Vergleich 2026
- Velero vs Kasten K10: Kubernetes-Backup-Lösungen im Vergleich 2026
- MinIO vs. Ceph: Object Storage für Self-Hosting und Kubernetes im Vergleich 2026