Mailcow vs Mailu: Self-Hosted E-Mail Server im Vergleich 2026

E-Mail selbst zu hosten gilt als einer der komplexesten Bereiche des Self-Hosting: SMTP, IMAP, DKIM, DMARC, SPF, Spamfilter und Webmail müssen nahtlos zusammenspielen. Mailcow und Mailu sind die zwei meistgenutzten Docker-basierten All-in-One-Lösungen für Self-Hosted E-Mail. Dieser Vergleich zeigt, welche Lösung besser zu welchem Einsatzszenario passt.

Was ist Mailcow?

Mailcow (mailcow-dockerized) ist eine umfassende E-Mail-Server-Suite, entwickelt von Tinc GmbH und der Community. Die Suite bündelt:

  • Postfix — MTA (Mail Transfer Agent) für SMTP
  • Dovecot — IMAP/POP3-Server für Abruf
  • SOGo — Webmail und CalDAV/CardDAV (Groupware)
  • Rspamd — Spamfilter mit Machine Learning
  • ClamAV — Antivirus-Scanning für Anhänge
  • Nginx — Reverse Proxy und Admin-Webinterface
  • Redis, MySQL — Backend-Services

Mailcow wird über eine webbasierte Admin-Oberfläche verwaltet und ist auf GitHub mit über 8.000 Stars eines der bekanntesten Self-Hosted-E-Mail-Projekte.

Was ist Mailu?

Mailu ist ein leichtgewichtiges E-Mail-Server-System, das auf minimale Abhängigkeiten und einfache Konfiguration ausgelegt ist:

  • Postfix — MTA
  • Dovecot — IMAP
  • Roundcube oder Snappymail — Webmail (wählbar)
  • Rspamd — Spamfilter
  • ClamAV — optional
  • Admin-Interface — eigene Flask-basierte Verwaltungsoberfläche

Mailu nutzt ein einziges docker-compose.yml und ist über einen Setup-Wizard (setup.mailu.io) konfigurierbar. Das Projekt verzeichnet über 5.000 GitHub-Stars.

Ressourcenverbrauch im Vergleich

Komponente Mailcow Mailu
RAM (Minimum) 6–8 GB 2–4 GB
RAM (Empfohlen) 8–12 GB 4–6 GB
Docker-Container ~20 ~10
Disk (OS + Services) 5–10 GB 2–5 GB

Mailcow ist deutlich ressourcenhungriger als Mailu. ClamAV allein belegt 1–2 GB RAM. Wer einen kleinen VPS mit 4 GB RAM betreibt, sollte Mailu bevorzugen — oder ClamAV in Mailcow deaktivieren.

Installation und Setup

Mailcow installieren

cd /opt
git clone https://github.com/mailcow/mailcow-dockerized
cd mailcow-dockerized
./generate_config.sh
# MAILCOW_HOSTNAME setzen
docker compose pull
docker compose up -d

Mailcow konfiguriert sich weitgehend selbst. Nach dem ersten Start ist die Admin-Oberfläche unter https://mail.example.com erreichbar.

Mailu installieren

# Konfiguration via Webformular generieren: https://setup.mailu.io
# docker-compose.yml und mailu.env herunterladen
docker compose pull
docker compose up -d

Mailu bietet einen Setup-Wizard, der alle Parameter abfragt und eine fertige docker-compose.yml zum Download bereitstellt. Für Einsteiger ist dieser Ansatz besonders zugänglich.

Webmail-Vergleich

Mailcow/SOGo bietet ein vollständiges Groupware-Erlebnis mit Kalender (CalDAV), Kontakten (CardDAV), Aufgaben und Gruppenkalendern. SOGo kann mit nativen Mail-Clients (Outlook, Thunderbird, iOS) über CalDAV/CardDAV synchronisiert werden — ein erheblicher Mehrwert für Teams.

Mailu mit Roundcube oder Snappymail bietet klassisches Webmail ohne Groupware-Funktionen. Roundcube ist stabil und gut dokumentiert; Snappymail ist leichter und mobil-optimierter.

Anti-Spam: Rspamd im Vergleich

Beide Lösungen nutzen Rspamd als primären Spamfilter. Rspamd bietet:

  • Bayes-Filter (lernfähig durch Nutzermarkierungen)
  • DKIM-Signing und -Verifikation
  • SPF-Prüfung
  • DMARC-Integration
  • Redis-basiertes Ratelimiting gegen Spam-Wellen

Mailcow ergänzt Rspamd durch ClamAV für Antivirus-Scanning und bietet eine eigene Rspamd-Verwaltungsoberfläche direkt in der mailcow-UI.

Mailu integriert Rspamd ebenfalls, bietet aber weniger GUI-Optionen für Fine-Tuning. ClamAV ist optional und kann im docker-compose.yml deaktiviert werden.

E-Mail-Authentifizierung: DKIM, DMARC, SPF

Beide Systeme unterstützen vollständig DKIM, DMARC und SPF:

Mailcow generiert DKIM-Schlüssel automatisch beim Domain-Anlegen und zeigt die notwendigen DNS-Einträge direkt in der UI an. Ein Link zu MXToolbox für die Überprüfung ist eingebaut.

Mailu generiert DKIM-Keys ebenfalls automatisch; die DNS-Einträge werden in der Admin-Oberfläche angezeigt und müssen manuell in den DNS-Einstellungen gesetzt werden.

Backup-Strategien

Mailcow Backup

cd /opt/mailcow-dockerized
./helper-scripts/backup_and_restore.sh backup all

Das eingebaute Backup-Skript sichert Datenbanken, E-Mails (Maildir), Rspamd-Daten und SSL-Zertifikate in einem komprimierten Archiv.

Mailu Backup

Mailu hat kein eingebautes Backup-Skript — E-Mails liegen als Maildir-Struktur in mailu/mail/, die Datenbank in mailu/data/. Ein einfaches Volume-Backup mit Restic oder BorgBackup deckt alle Daten ab und ist oft wartungsärmer als das Mailcow-Skript.

Kubernetes-Betrieb

Mailcow bietet experimentellen Kubernetes-Support über Helm-Charts, ist aber primär für Docker Compose konzipiert. Der Betrieb auf Kubernetes ist möglich, aber komplex.

Mailu bietet offizielle Helm-Charts für Kubernetes und ist deutlich besser für den K8s-Betrieb geeignet. Die horizontale Skalierung einzelner Komponenten (Webmail, Postfix) ist damit möglich.

Deliverability: E-Mails nicht im Spam landen

Beide Lösungen sind technisch gleichwertig bei der Deliverability. Entscheidend sind:

  1. Reverse-DNS (PTR-Record) — Hetzner, Netcup und andere Hoster erlauben das Setzen von PTR-Records
  2. IP-Reputation — Frische IPs brauchen eine Warmup-Phase (2–4 Wochen)
  3. DKIM/DMARC/SPF — Beide Systeme unterstützen das vollständig
  4. IP-Blacklisting — Shared-Hosting-IPs sind oft auf Sperrlisten; dedizierte IPs sind dringend empfohlen

Wann Mailcow wählen

  • Groupware-Anforderungen: Kalender, Kontakte und Aufgaben über CalDAV/CardDAV benötigt
  • Ausreichend RAM verfügbar (8+ GB)
  • Größere Teams mit mehreren Domains und differenzierten Berechtigungen
  • Komfortables Management über die ausgereiftere Admin-Oberfläche

Wann Mailu wählen

  • Ressourcenknapper VPS mit nur 2–4 GB RAM
  • Minimale Komplexität — weniger Container, weniger Angriffsfläche
  • Kubernetes-Deployment mit offiziellen Helm-Charts
  • Einfaches Backup ohne proprietäre Skripte

Fazit

Mailcow ist der Platzhirsch unter den Self-Hosted-E-Mail-Lösungen und bietet mit SOGo eine vollständige Groupware-Suite. Für Teams, die Kalender und Kontakte integriert verwalten wollen, ist Mailcow die bessere Wahl — vorausgesetzt, der Server hat genug RAM.

Mailu überzeugt durch minimalen Ressourcenverbrauch und einfache Kubernetes-Integration. Für Homelab-Setups und kleine Organisationen, die nur E-Mail (ohne Groupware) selbst hosten wollen, ist Mailu effizienter und wartungsärmer.

Beide Projekte sind aktiv gepflegt und produktionstauglich. Die Wahl hängt primär vom verfügbaren RAM und den Groupware-Anforderungen ab.

Weiterführende Artikel