Passbolt vs. Bitwarden: Welcher Self-Hosted Passwort-Manager passt zu deinem Team?
Passwörter sind das Fundament digitaler Sicherheit – und im Team-Umfeld wird deren sicheres Management schnell zur Herausforderung. Zwei Namen dominieren die Diskussion unter Self-Hostern und IT-Teams: Passbolt und Bitwarden. Beide sind Open Source, beide kannst du selbst hosten, und beide verfolgen einen ähnlichen Ansatz – aber im Detail unterscheiden sie sich erheblich. Dieser Vergleich hilft dir, die richtige Wahl für deine Organisation zu treffen.
Was ist Passbolt?
Passbolt wurde 2016 mit einem klaren Fokus entwickelt: Passwörter im Team sicher teilen. Das Tool ist vollständig Open Source (AGPL-3.0) und nutzt OpenPGP als Basis für End-to-End-Verschlüsselung. Jeder Nutzer hat ein persönliches PGP-Schlüsselpaar; Passwörter werden für jeden Empfänger individuell verschlüsselt.
Passbolt ist in PHP (CakePHP) geschrieben, setzt MariaDB/MySQL als Datenbank ein und benötigt einen E-Mail-Server für Einladungen und Benachrichtigungen. Es gibt eine kostenlose Community-Edition sowie kostenpflichtige Business- und Enterprise-Varianten – aber auch die Community-Edition ist für die meisten Teams ausreichend.
Stärken von Passbolt:
- Team-Sharing steht im Mittelpunkt des Designs
- Solide kryptografische Basis mit OpenPGP (GnuPG)
- Browser-Extension für Chrome, Firefox, Edge und Brave
- CLI-Tool für Automatisierung und Skriptintegration
- LDAP/AD-Integration in der Business-Edition
- Audit-Logs für Compliance-Anforderungen
Was ist Bitwarden?
Bitwarden wurde ebenfalls 2016 gestartet, entwickelte sich aber in eine andere Richtung: universeller Passwort-Manager für Einzelpersonen und Teams. Die Architektur setzt auf AES-256-Verschlüsselung mit PBKDF2 für die Schlüsselableitung – ein bewährter, gut verstandener Standard.
Bitwarden ist in C# (.NET) geschrieben und bietet Clients für alle Plattformen. Für Teams, die weniger Ressourcen benötigen, gibt es außerdem Vaultwarden als inoffizielle Rust-Implementierung – die wir in einem separaten Artikel zu Bitwarden vs. Vaultwarden behandeln.
Stärken von Bitwarden:
- Plattformübergreifend: Browser, Desktop (Windows/macOS/Linux), iOS, Android
- TOTP-Authentifikator direkt eingebaut (Premium-Feature)
- Passwortgenerator mit hoher Konfigurierbarkeit
- SSH-Key-Management (seit 2024)
- Send-Feature für zeitlich begrenztes Teilen von Daten
- Offizielle APIs und CLI für DevOps-Integration
Installation und Betrieb
Passbolt installieren
Passbolt bietet ein offizielles Docker-Compose-Setup sowie Pakete für Ubuntu/Debian. Die einfachste Methode:
git clone https://github.com/passbolt/passbolt_docker.git
cd passbolt_docker
cp .env.example .env
# .env konfigurieren (SMTP, Domain, etc.)
docker compose up -d
Nach der Installation muss ein Admin-Account über die CLI erstellt werden:
docker exec passbolt /usr/share/php/passbolt/bin/cake \
passbolt register_user -u admin@example.com -f Admin -l User -r admin
Passbolt benötigt zwingend HTTPS und einen SMTP-Server – ohne E-Mail-Versand funktioniert das Einladungssystem nicht. Ressourcenbedarf: ca. 512 MB RAM für ein kleines Deployment, empfohlen werden 1–2 GB.
Bitwarden installieren
Bitwarden bietet ein offizielles Installer-Skript:
curl -Lso bitwarden.sh https://go.btwrdn.co/bw-sh
chmod +x bitwarden.sh
./bitwarden.sh install
./bitwarden.sh start
Das Setup erfordert einen Bitwarden-Account für die Installation-ID (für Updates und Lizenz-Validierung). Bitwarden ist ressourcenintensiver: Die offizielle Installation setzt mehrere Docker-Container ein (nginx, api, identity, admin, portal usw.) und benötigt mindestens 2 GB RAM, für produktiven Betrieb eher 4 GB.
Sicherheitsarchitektur im Vergleich
| Feature | Passbolt | Bitwarden |
|---|---|---|
| Verschlüsselung | OpenPGP (RSA/ECC) | AES-256-CBC |
| Schlüsselableitung | PBKDF2 / Argon2 | PBKDF2-SHA256 (100.000+ Iterationen) |
| Zero-Knowledge | ✅ Ja | ✅ Ja |
| E2E-Verschlüsselung | ✅ PGP pro Eintrag | ✅ Master-Password-basiert |
| Open Source | ✅ AGPL-3.0 | ✅ GPL-3.0 |
| Sicherheitsaudits | Mehrere externe Audits | Mehrere externe Audits |
Passbolt's PGP-Ansatz hat einen entscheidenden Vorteil beim Team-Sharing: Jedes Passwort wird für jeden Empfänger einzeln verschlüsselt. Das bedeutet, dass ein kompromittierter Nutzer-Account nur die Passwörter entschlüsseln kann, die explizit für ihn freigegeben wurden.
Bitwarden verwendet ein Vault-Konzept: Der Master-Key verschlüsselt den gesamten Vault. Beim Team-Sharing werden Einträge in gemeinsame Sammlungen (Collections) verschoben, die dann für Nutzer-Gruppen zugänglich sind.
Team-Features und Freigaben
Passbolt: Sharing-first Design
Passbolt wurde speziell für das Teilen gebaut. Passwörter werden als ressourcenbasierte Entitäten behandelt, die du direkt mit einzelnen Nutzern oder Gruppen teilen kannst:
- Direktes Sharing: Wähle ein Passwort → teile mit Nutzer/Gruppe → definiere Berechtigung (Can read / Can update / Owner)
- Gruppen: Strukturiere Teams in Gruppen (Dev, DevOps, Marketing) und vergib Zugriffsrechte auf Gruppenebene
- Ordner: Organisiere Passwörter in Ordnern; Ordnerberechtigungen werden in Passbolt 3.x explizit vergeben, nicht implizit vererbt
Bitwarden: Organisations-Modell
Bitwarden arbeitet mit Organizations und Collections:
- Organizations: Trennlinie zwischen privatem Vault und Team-Passwörtern
- Collections: Sammlungen innerhalb einer Organization (vergleichbar mit Ordnern)
- Gruppen: Nutzergruppen mit Zugriff auf bestimmte Collections (Business-Plan)
- Policy-Management: Passwort-Anforderungen, Zwei-Faktor-Pflicht, Browser-Extension-Einschränkungen
Der wesentliche Unterschied: Bitwarden-Teams erfordern einen kostenpflichtigen Plan für Gruppen und erweiterte Policies. Die kostenlose Self-Hosted-Version erlaubt zwar Organizations, aber ohne Gruppen-Features.
Benutzeroberfläche und User Experience
Passbolt hat eine funktionale Weboberfläche, die primäre Nutzungsschnittstelle ist jedoch die Browser-Extension. Direkt auf der jeweiligen Website lassen sich Passwörter eintragen und neue Einträge speichern. Mobile Apps gibt es nicht – Passbolt ist auf Browser-basierte Nutzung ausgerichtet.
Bitwarden hat 2023–2024 eine vollständige UI-Überarbeitung vollzogen und bietet heute eine moderne, übersichtliche Oberfläche – sowohl in der Web-App als auch in den Desktop- und Mobile-Clients. Die iOS- und Android-Apps sind ausgereift und werden aktiv weiterentwickelt.
| Merkmal | Passbolt | Bitwarden |
|---|---|---|
| Web-Oberfläche | ✅ Funktional | ✅ Modern |
| Browser-Extension | Chrome, Firefox, Edge | Chrome, Firefox, Edge, Safari |
| Desktop-App | ❌ Nicht vorhanden | ✅ Windows, macOS, Linux |
| Mobile App | ❌ Nicht vorhanden | ✅ iOS, Android |
| TOTP/2FA-Manager | ❌ Nein | ✅ Premium |
Enterprise-Features
Passbolt Business / Enterprise
- LDAP/AD-Sync: Nutzer aus Active Directory importieren und synchronisieren
- SSO-Integration: SAML-basiertes Single Sign-On (Enterprise Edition)
- Compliance-Features: Audit-Logs, Role-based Access Control
- Preis: ca. 49 EUR/Monat für bis zu 20 Nutzer (Business)
Bitwarden Business / Enterprise
- SSO: SAML 2.0 / OIDC-Integration
- Passwort-Policies: Enforced 2FA, Master-Password-Richtlinien, Vault-Timeout
- Directory Connector: AD/LDAP/Azure AD Synchronisation
- Event Logs: Erweiterte Audit-Logs für Compliance
- Preis: ca. 5 EUR/Monat/Nutzer (Teams Plan, Self-Hosted mit 1 Jahr Lizenz)
Self-Hosted Kosten-Modell
Passbolt
| Edition | Preis | Features |
|---|---|---|
| Community | Kostenlos | Basis-Features, unlimitierte Nutzer, kein LDAP |
| Business | ~49 EUR/Monat (20 User) | LDAP, SSO, TOTP |
| Enterprise | Auf Anfrage | Advanced SSO, Support-SLAs |
Bitwarden
| Edition | Preis | Features |
|---|---|---|
| Self-Hosted Free | Kostenlos | 2 Nutzer, keine Organizations |
| Teams | ~5 EUR/Nutzer/Monat | Groups, Collections, APIs |
| Enterprise | ~6 EUR/Nutzer/Monat | SSO, Advanced Policies, Custom Roles |
Wichtig: Bitwarden Self-Hosted benötigt eine Lizenz (auch für kostenlose Instanzen). Diese erhältst du nach kostenloser Registrierung auf bitwarden.com.
Migrationspfad
Beide Tools unterstützen den Import aus gängigen Formaten:
Passbolt Import-Formate: Passbolt CSV, Bitwarden JSON, KeePass XML, LastPass CSV, 1Password
Bitwarden Import-Formate: Über 50 Formate, inkl. Passbolt CSV, KeePass, LastPass, 1Password, Dashlane
Für eine Migration von Passbolt zu Bitwarden (oder umgekehrt) gibt es offizielle CLI-Tools und Dokumentation. Bei größeren Migrationen empfiehlt sich ein Testlauf mit einem Subset der Passwörter.
Wann wähle ich welches Tool?
Passbolt ist die bessere Wahl wenn:
- Dein primärer Use Case Team-Sharing von Passwörtern ist
- Du eine PGP-basierte Sicherheitsarchitektur bevorzugst
- Dein Team technisch versiert ist und mit Browser-Extensions arbeitet
- Du ohne Mobile-App auskommst (Server-Teams, DevOps)
- Du maximale Kontrolle über jede einzelne Freigabe haben möchtest
Bitwarden ist die bessere Wahl wenn:
- Dein Team verschiedene Geräte nutzt (Desktop, Mobile, Browser)
- Du eine moderne, intuitive Oberfläche für nicht-technische Nutzer brauchst
- Du TOTP-Management im Passwort-Manager integriert haben möchtest
- Du einen SSH-Key-Manager benötigst
- Du in Zukunft auf die Cloud-Version umsteigen möchtest
Fazit
Passbolt und Bitwarden lösen beide dasselbe Problem, aber auf unterschiedliche Weise. Passbolt ist die Security-First-Wahl für Teams, die maximale Kontrolle über Passwort-Freigaben brauchen und keine Mobile-Apps vermissen. Bitwarden ist die All-in-One-Lösung für gemischte Teams mit vielfältigen Geräteanforderungen.
Für die meisten modernen Teams – mit Mischung aus Desktop- und Mobile-Nutzern, nicht-technischen Mitarbeitern und Bedarf an einer modernen Oberfläche – ist Bitwarden die praktischere Wahl. Wer aber im DevOps/Security-Kontext arbeitet, rein browser-basiert vorgeht und maximale kryptografische Kontrolle schätzt, findet in Passbolt eine ausgezeichnete Alternative.
Weiterführende Artikel
- Bitwarden vs. Vaultwarden: Passwort-Manager selbst hosten
- Authelia vs Authentik: Self-hosted SSO und 2FA im Vergleich 2026
- Authentik vs. Zitadel: Open-Source Identity Provider im Vergleich 2026