Was ist ein Headless CMS – und warum überhaupt?
Ein Headless CMS trennt das Content-Backend von der Präsentationsschicht. Statt Inhalte direkt in ein fest verdrahtetes Theme zu rendern, stellt es diese über eine API bereit – meistens REST oder GraphQL. Das Frontend (React, Vue, Qwik, Next.js – egal) konsumiert die Inhalte dann nach Belieben.
Die Vorteile:
- Frontend-Freiheit: Jedes Framework, jede Plattform kann die Inhalte nutzen
- Multi-Channel: Website, App, digitale Beschilderung – alle Kanäle aus einer Quelle
- Entwickler-Kontrolle: Content-Struktur wird nach Bedarf definiert, nicht durch Theme-Constraints begrenzt
Aber welches Headless CMS passt wann? Schauen wir uns die drei bekanntesten Optionen an.
Strapi: Open Source, Self-Hosted, maximale Kontrolle
Strapi ist das führende Open-Source Headless CMS – und meine persönliche Wahl für die meisten Projekte. Strapi läuft auf Node.js, lässt sich selbst hosten und bietet eine vollständige Admin-Oberfläche für Redakteure.
Stärken von Strapi:
- Kein Vendor Lock-in: Deine Daten, dein Server, deine Kontrolle
- Flexible Content-Typen: Im Content-Type-Builder per GUI oder Code definierbar
- Plugin-Ökosystem: Internationalisierung, SEO-Felder, Media-Provider (S3, MinIO) als Plugin
- REST & GraphQL: Beide APIs out-of-the-box
- Kostenlos: Die Community Edition ist vollständig nutzbar ohne Limit
Schwächen von Strapi:
- Selbst-Hosting bedeutet Infrastruktur-Verantwortung
- Strapi v5 brachte Breaking Changes – Migration kann aufwändig sein
- Performance bei komplexen Relations kann bei großen Datenmengen Tuning erfordern
Ideal für: Solo-Entwickler und Teams, die volle Datenkontrolle wollen, eigene Infrastruktur betreiben und kein monatliches SaaS-Budget bereitstellen möchten.
Contentful: SaaS-König, aber kostspielig
Contentful ist das am weitesten verbreitete kommerzielle Headless CMS. Viele Enterprise-Teams und Agenturen schwören darauf. Contentful ist vollständig managed – kein Hosting, kein Update-Stress.
Stärken von Contentful:
- Keine Infrastruktur-Arbeit: CDN, Backups, Skalierung – alles erledigt Contentful
- Ausgereifte Editor-Experience: Sehr gute Usability für Nicht-Techniker
- Rich-Text-Editor: Mächtiger Editor mit eingebetteten Referenzen
- Globale CDN-Delivery: Inhalte werden weltweit gecacht und schnell ausgeliefert
Schwächen von Contentful:
- Preis: Ab einem gewissen Volumen wird es sehr teuer (ab ~$300/Monat für Teams)
- Vendor Lock-in: Migration ist aufwändig
- Eingeschränkte Anpassbarkeit: Was Contentful nicht bietet, bleibt außen vor
Ideal für: Große Unternehmen mit Budget, Marketing-Teams, die Editor-Komfort vor Entwicklerfreiheit stellen, und Projekte mit globalen CDN-Anforderungen.
Directus: Das flexible Open-Source-Datenbankwrapper-CMS
Directus nimmt einen anderen Ansatz als Strapi: Es wrapping jede bestehende SQL-Datenbank (PostgreSQL, MySQL, SQLite) mit einem Admin-Interface und einer API. Der Vorteil – kein eigenes Datenbankschema: Directus liest dein Schema und baut die Admin-UI automatisch.
Stärken von Directus:
- Beliebige Datenbankstruktur: Bestehende Datenbanken können direkt verwendet werden
- Feingranulare Permissions: Rollenbasierte Zugriffssteuerung bis auf Feldebene
- Flows/Automations: Eingebaute Automatisierungen ohne externes Tool
- Starke REST & GraphQL API: Gut dokumentiert und performant
Schwächen von Directus:
- Lernkurve für Entwickler, die vom CMS-First-Denken kommen
- Weniger Plugins als Strapi
- Community kleiner als bei Strapi oder Contentful
Ideal für: Teams, die eine bestehende Datenbank administrieren möchten, oder die maximale Datenbankflexibilität brauchen.
Mein Fazit: Was ich wählen würde
| Kriterium | Strapi | Contentful | Directus |
|---|---|---|---|
| Preis | Kostenlos (Self-Hosted) | Teuer ab Scale | Kostenlos (Self-Hosted) |
| Kontrolle | Hoch | Gering | Hoch |
| Setup-Aufwand | Mittel | Gering | Mittel |
| Editor-Experience | Gut | Sehr gut | Gut |
| Skalierbarkeit | Selbst verantwortlich | Automatisch | Selbst verantwortlich |
Meine Empfehlung: Für die meisten Projekte – besonders für Freelancer, Startups und Agenturen – ist Strapi die beste Wahl. Contentful empfehle ich nur, wenn das Budget vorhanden ist und kein Infrastruktur-Overhead gewünscht wird. Directus ist die richtige Wahl, wenn eine bestehende Datenbankstruktur erhalten bleiben soll.