Tauri vs. Electron: Desktop-App-Framework-Vergleich 2026
Desktop-Apps mit Web-Technologien bauen — das ist seit Jahren das Versprechen von Electron. Doch seit Tauri 1.0 (2022) gibt es eine ernstzunehmende Alternative, die mit deutlich kleineren Bundles und besserer Performance aufwartet.
Electron: Der Platzhirsch seit 2013
Electron (ursprünglich Atom Shell) wurde 2013 von GitHub entwickelt und ermöglicht Desktop-Apps mit HTML, CSS und JavaScript. VS Code, Slack, Discord, Figma — sie alle basieren auf Electron.
Stärken von Electron:
- Exzellente Browserkompatibilität (Chromium gebündelt)
- Riesiges Ökosystem (npm-Pakete funktionieren einfach)
- Ausgereift und kampferprobt
- Große Community, viel Dokumentation
- Node.js direkt verfügbar im Backend
Schwächen:
- Sehr große Bundle-Größe: 100–200 MB für eine "Hello World"-App
- Hoher RAM-Verbrauch (Chromium-Overhead)
- Hoher CPU-Verbrauch im Idle
- Jede App bringt ihre eigene Chromium-Instanz mit
Tauri: Der effiziente Herausforderer
Tauri wurde 2022 in Version 1.0 veröffentlicht und nutzt einen anderen Ansatz: Statt Chromium zu bündeln, verwendet es den System-eigenen WebView (WebKit auf macOS, WebView2 auf Windows, WebKitGTK auf Linux). Das Backend ist in Rust geschrieben.
Stärken von Tauri:
- Winzige Bundle-Größen: 3–10 MB (vs. 100–200 MB bei Electron)
- Deutlich geringerer RAM-Verbrauch
- Rust-Backend: Performance und Sicherheit
- Geringere Angriffsfläche durch minimalistischen Ansatz
- Schnellere Startup-Zeit
- Permissions-System für sicheren Systemzugriff
Schwächen:
- System-WebView: Unterschiede zwischen Plattformen möglich
- Rust-Kenntnisse für Backend-Logik erforderlich
- Jüngeres Ökosystem
- Manche Web-APIs verhalten sich unterschiedlich je nach OS
- Weniger Node.js-Pakete direkt nutzbar
Größen- und Performance-Vergleich
| Metrik | Electron | Tauri |
|---|---|---|
| Bundle-Größe (Minimum) | ~80 MB | ~3 MB |
| RAM-Verbrauch (idle) | ~200 MB | ~20 MB |
| CPU-Verbrauch (idle) | Hoch | Niedrig |
| Startup-Zeit | ~2–3s | ~0.5s |
| Browser-Engine | Chromium (gebündelt) | System-WebView |
| Backend-Sprache | Node.js | Rust |
Entwicklungserfahrung
Electron (mit electron-forge):
// main.js
const { app, BrowserWindow } = require('electron')
app.whenReady().then(() => {
const win = new BrowserWindow({
width: 800,
height: 600,
webPreferences: { nodeIntegration: true }
})
win.loadFile('index.html')
})
Tauri (mit React/Vue/Svelte Frontend):
// src-tauri/src/main.rs
fn main() {
tauri::Builder::default()
.invoke_handler(tauri::generate_handler![my_command])
.run(tauri::generate_context!())
.expect("error while running tauri application");
}
#[tauri::command]
fn my_command() -> String {
"Hello from Rust!".to_string()
}
// Frontend
import { invoke } from '@tauri-apps/api/tauri'
const result = await invoke('my_command')
Wann Electron, wann Tauri?
Electron ist die richtige Wahl, wenn:
- Maximale Browser-Kompatibilität nötig ist
- Das Team keine Rust-Kenntnisse hat
- Du auf komplexe Node.js-Pakete angewiesen bist
- Der App-Typ (IDE, Browser-Extension) Chromium erfordert
- Schnelle Prototypen ohne Backend-Logik
Tauri ist die richtige Wahl, wenn:
- Bundle-Größe und Performance wichtig sind (z.B. für den App Store)
- Du systemnahe Funktionen sicher nutzen willst
- Das Team Rust kennt oder lernen will
- Die App auf ressourcenschwacher Hardware läuft
- Security-by-design ein Kernanforderung ist
Bekannte Apps
Electron: VS Code, Slack, Discord, Figma, Notion, Obsidian (frühere Versionen)
Tauri: Obsidian (wechselte zu Tauri), manche JetBrains-Tools, Clash Verge Rev (VPN-Client)
Mein Fazit
Für neue Desktop-App-Projekte würde ich heute Tauri wählen — die Größen- und Performance-Vorteile sind real und die Developer Experience ist mit modernen Web-Frameworks wie React oder Svelte sehr angenehm.
Der Rust-Einstieg ist die größte Hürde. Wer kein Rust kann, ist mit Electron produktiver — die Toolchain ist vertrauter und die Node.js-Kompatibilität ist unschlagbar. Aber Tauri 2.0 (Mobile-Support für iOS/Android) macht das Framework noch attraktiver.