Glances vs btop++ vs htop: Linux System-Monitoring im Vergleich

Wer einen Linux-Server betreibt – ob im Homelab, als VPS oder im Kubernetes-Cluster – braucht ein zuverlässiges Tool zur Systemüberwachung. Drei Namen fallen dabei immer wieder: htop, der Klassiker; btop++, der moderne Nachfolger von bashtop/bpytop; und Glances, das netzwerkfähige Monitoring-Werkzeug mit Web-Interface. Doch welches Tool ist für welchen Anwendungsfall das richtige?

htop: Der bewährte Klassiker

htop ist der Standard-Systemmonitor auf nahezu jedem Linux-Server. Es erweitert das klassische top-Kommando um eine interaktive, farbige Oberfläche:

  • Prozess-Management: Prozesse direkt in htop beenden, nice-Werte anpassen
  • CPU-Auslastung: Jeder Core einzeln sichtbar
  • Speicher/Swap: Grafische Balken für RAM und Swap
  • Sortierung: Nach CPU, RAM, PID, Name – jederzeit umschaltbar
  • Filter: Textsuche durch Prozessliste
  • Installation: apt install htop – überall verfügbar

htop ist die universell installierte Basislösung: kein Overhead, keine Dependencies, läuft auf jedem System. Wer per SSH schnell einen Server-Status checken will, greift intuitiv zu htop.

Schwäche: htop zeigt nur Prozesse und grundlegende CPU/RAM-Metriken. Netzwerk-I/O, Disk-Latenzen oder GPU-Auslastung fehlen komplett.

btop++: Modernes Terminal-Monitoring

btop++ (C++-Neuimplementierung von bashtop und bpytop) ist der modernste der drei Kandidaten. Die Oberfläche kombiniert Prozessliste, CPU-Graphen, Netzwerk-I/O und Disk-Stats in einem übersichtlichen Dashboard:

Feature btop++
CPU-Graph (historisch)
RAM + Swap
Netzwerk-I/O (Grafik)
Disk-I/O (pro Device)
GPU-Monitoring ✅ (NVIDIA/AMD)
Prozess-Management
Theme-Support ✅ 20+ Themes
Ressourcenverbrauch Gering

btop++ ist rein lokal – es gibt keine Web-Ansicht oder API. Dafür ist die Terminal-Darstellung so hochwertig, dass selbst Screenshots davon überzeugend wirken. Die Installation erfolgt via Package Manager (apt install btop) oder als Binary Download.

Besonderheit: btop++ unterscheidet sich von htop durch historische Graphen. Wo htop nur den aktuellen Zustand zeigt, visualisiert btop++ CPU-Auslastung als Zeitreihe – unverzichtbar, wenn man einen Spike rückwirkend verstehen will.

Glances: Monitoring mit Web-Interface und API

Glances (Python) unterscheidet sich fundamental von den anderen beiden: Es ist auf verteiltes Monitoring ausgelegt. Neben der Terminal-Ansicht bietet Glances:

  • Web-Interface: Browser-basiertes Dashboard auf Port 61208
  • REST-API: JSON-Endpunkte für Integration in eigene Tools
  • Export: InfluxDB, Prometheus, Elasticsearch, MQTT
  • Remote-Mode: glances --browser zeigt alle Server im Netzwerk
  • Docker-Stats: Container-Metriken direkt integriert
  • Plugins: AMP (Application Monitoring), Nvidia GPU, Sensors
# Glances im Web-Modus starten
glances -w --port 61208

# Als systemd-Service
systemctl start glances

Glances eignet sich besonders für Homelab-Betreiber, die mehrere Server überwachen wollen, ohne ein vollständiges Monitoring-System wie Prometheus + Grafana aufzusetzen.

Schwäche: Python-basiert, höherer RAM-Verbrauch (~50 MB), langsamere Aktualisierung als native Tools. Auf Low-End-Hardware (Raspberry Pi 2) kann Glances selbst spürbar CPU kosten.

Direkter Vergleich: htop vs btop++ vs Glances

Merkmal htop btop++ Glances
Sprache C C++ Python
RAM-Verbrauch ~5 MB ~15 MB ~50 MB
Terminal-UI ✅ (besser)
Web-Interface
REST-API
Docker-Metriken
GPU-Monitoring ✅ (Plugin)
Historische Graphen
Remote-Monitoring
Prometheus-Export
SSH-freundlich ✅✅

Wann welches Tool?

htop wählen, wenn:

  • SSH-Zugang zu einem Server, schnelle Diagnose gefragt
  • Minimale Dependencies wichtig (Container, Embedded)
  • Prozess-Management direkt im Terminal benötigt
  • Der Server sehr wenig RAM hat (<256 MB)

btop++ wählen, wenn:

  • Visuelle, historische Graphen gewünscht
  • GPU-Monitoring (NVIDIA, AMD) benötigt
  • Netzwerk- und Disk-I/O gleichzeitig im Blick
  • Ästhetisch ansprechende Terminal-Ansicht wichtig

Glances wählen, wenn:

  • Mehrere Server aus einem Browser überwachen
  • Integration in Prometheus/InfluxDB/Grafana geplant
  • Docker-Container-Metriken wichtig
  • REST-API für eigene Dashboards oder Alerting genutzt

Kombination als beste Lösung

Für die meisten Homelab-Setups empfiehlt sich eine Kombination: htop bleibt immer installiert (der „erste Griff"), btop++ für die tägliche Nutzung am Terminal, Glances als leichtgewichtige Alternative zu Prometheus+Grafana für schnelle Multi-Server-Übersicht.

Wer bereits Prometheus betreibt, braucht Glances nicht – der Node Exporter liefert tiefere Metriken und Grafana visualisiert sie besser. Wer aber ohne Monitoring-Stack arbeitet, ist mit Glances im Web-Modus schnell und vollständig aufgestellt.

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