NocoDB vs Baserow: Open-Source Airtable-Alternative im Vergleich 2026
Airtable hat das Spreadsheet-Datenbank-Konzept popularisiert: strukturierte Daten mit Relationen, Views, Formeln und Automationen – zugänglich für nicht-technische Nutzer. Die Self-Hosted-Alternativen NocoDB und Baserow versprechen dasselbe ohne Vendor-Lock-in und ohne monatliche SaaS-Gebühren. Aber welche ist die bessere Wahl?
Was ist das Problem?
Airtable kostet ab $20/Nutzer/Monat (Pro-Plan) und hat strenge Limitierungen im Free Tier (1.000 Records, 5 GB Attachment-Storage). Für Teams, die Daten intern verwalten wollen, ist das oft zu teuer oder datenschutzrechtlich problematisch (Daten liegen bei Airtable in den USA). Open-Source-Alternativen ermöglichen Self-Hosting auf eigenen Servern.
NocoDB: Die Datenbank-First-Alternative
NocoDB (früher bekannt als xc-project) ist 2021 als Open-Source-Projekt gestartet mit einer klaren Philosophie: bestehende Datenbanken in ein Airtable-ähnliches Interface verwandeln. NocoDB verbindet sich direkt mit PostgreSQL, MySQL, SQLite, MariaDB oder MS SQL und erstellt darüber ein No-Code-Interface.
NocoDB-Architektur: NocoDB ist kein eigenständiges Datenbankprojekt – es ist ein Datenbankproxy. Das bedeutet: die Daten liegen in deiner eigenen Datenbank (PostgreSQL, MySQL etc.), und NocoDB stellt das Interface bereit. Das ist sowohl Stärke als auch Einschränkung.
NocoDB-Stärken:
- Verbindet sich mit bestehenden Datenbanken (PostgreSQL, MySQL, SQLite, MariaDB, MS SQL)
- Sehr einfaches Self-Hosting (Docker-Image, SQLite eingebaut für schnellen Start)
- Starke Excel/CSV-Import-Funktion
- REST-API und GraphQL-API automatisch aus der Datenbankstruktur generiert
- Formeln, Lookups, Rollups (ähnlich wie Airtable)
- Galerie-, Kanban-, Grid- und Kalender-Views
- Webhooks und API-Zugriff
- Aktives Entwicklungstempo (sehr häufige Releases)
- Gut für bestehende PostgreSQL/MySQL-Daten, die ein UI benötigen
NocoDB-Schwächen:
- UI kann bei komplexeren Projekten überwältigend wirken
- Automationen weniger ausgereift als bei Baserow oder Airtable
- Team-Permission-System weniger granular als Baserow
- Datei-Attachments: kein integrierter S3-Support im Community-Plan
- Galerie-View weniger poliert als Airtable
- Multi-Tenancy für Agenturen/Enterprise ist proprietär (NocoDB Cloud)
Konfiguration (Docker Compose):
services:
nocodb:
image: nocodb/nocodb:latest
ports:
- "8080:8080"
environment:
NC_DB: "pg://postgres:5432?u=nocodb&p=password&d=nocodb_db"
volumes:
- nocodb-data:/usr/app/data
Baserow: Der polierte Team-Workspace
Baserow (gegründet 2020) verfolgt einen anderen Ansatz: Es ist ein eigenständiger No-Code-Workspace, der nicht auf bestehenden Datenbanken aufbaut, sondern eine eigene Datenbankschicht mitbringt. Das macht Baserow mehr zu einer eigenständigen Plattform.
Baserow-Stärken:
- Sehr saubere, intuitive UX (Onboarding deutlich einfacher als NocoDB)
- Enterprise-ready: LDAP, SSO, Audit-Log, granulare Berechtigungen
- Fortgeschrittene Automationen (Workflow-Automationen mit Conditionals, HTTP-Calls)
- Gute Datei-Attachment-Unterstützung mit S3-Integration
- Robuste Multi-Tenancy für Teams und Agenturen
- REST-API mit klarer Dokumentation
- Eigenes Plugin-System (erweiterbar)
- Regelmäßige, stabile Releases
- Baserow Cloud verfügbar für einfachen Start ohne Infrastruktur
Baserow-Schwächen:
- Keine direkte Verbindung zu bestehenden Datenbanken (kein "connect to PostgreSQL")
- Erweiterte Features (SSO, Audit Log, SAML) nur in Enterprise-Lizenz (teuer)
- Weniger Views als NocoDB (kein Kalender-View in der freien Version)
- Selbst hostbar, aber Enterprise-Features erfordern kommerzielle Lizenz
- GraphQL-API fehlt (nur REST)
- Geringeres Entwicklungstempo als NocoDB
Konfiguration (Docker Compose):
services:
baserow:
image: baserow/baserow:latest
ports:
- "80:80"
- "443:443"
volumes:
- baserow-data:/baserow/data
environment:
BASEROW_PUBLIC_URL: "https://baserow.example.com"
Direktvergleich
| Merkmal | NocoDB | Baserow |
|---|---|---|
| Datenbank-Backend | Externe DB (PG, MySQL, etc.) | Eigenes internes Backend |
| Bestehende DB verbinden | ✓ (Hauptfeature) | ✗ |
| REST-API | ✓ (auto-generated) | ✓ |
| GraphQL-API | ✓ | ✗ |
| Views | Grid, Kalender, Kanban, Galerie, Formular | Grid, Kanban, Galerie, Formular |
| Automationen | Basis (Webhooks) | Fortgeschritten (Workflows) |
| S3 für Attachments | Cloud-Plan | ✓ (Self-Hosted konfigurierbar) |
| SSO/LDAP | Enterprise | Enterprise |
| UX-Qualität | Gut, aber komplex | Sehr poliert |
| Community | Aktiver (GitHub Stars ~50k) | Aktiv (~12k Stars) |
| Lizenz | AGPLv3 | MIT (Self-Hosted) |
| Docker-Image-Größe | ~300 MB | ~800 MB |
Für wen ist was geeignet?
NocoDB ist ideal für:
- Teams mit bestehenden PostgreSQL/MySQL-Datenbanken, die ein UI wollen
- Entwickler, die eine automatisch generierte REST- und GraphQL-API aus ihrer DB wollen
- Projekte, die schnell und einfach starten wollen (SQLite-Default)
- Teams, die Flexibilität in der Datenbankwahl schätzen
- Use Cases: Admin-Panel, Datenvisualisierung, intern Daten verwalten
Baserow ist ideal für:
- Nicht-technische Teams, die eine einfache, intuitive Airtable-ähnliche UX brauchen
- Organisationen mit Datenschutzanforderungen (On-Premise Self-Hosting)
- Teams, die Workflow-Automationen und fortgeschrittene Permissions brauchen
- Agenturen, die Baserow für mehrere Kunden betreiben wollen
- Use Cases: CRM, Projektmanagement, Content-Kalender, HR-Daten
Migration von Airtable
Beide Tools haben Airtable-Import-Funktionen:
- NocoDB: Airtable-Import über API-Key direkt im UI
- Baserow: CSV-Import (Airtable-Export) + API-Migrations-Guide
NocoDB's direkter Airtable-API-Import ist aktuell bequemer, aber beide sind nur für kleinere Datensätze praktikabel.
Weitere Alternativen
- Grist: Spreadsheet-Datenbank mit Python-Formeln, sehr gut für Analysten
- Teable: Neuerer Marktteilnehmer mit Airtable-ähnlicher UX auf PostgreSQL-Basis
- SeaTable: Stärker Enterprise-fokussiert, mit Docker Self-Hosting
- Rowy: Spezifisch für Firestore/Firebase-Daten
Fazit
NocoDB und Baserow sind beide solide Airtable-Alternativen für Self-Hoster, aber für unterschiedliche Anwendungsfälle:
- NocoDB gewinnt, wenn du bestehende Datenbanken mit einem UI ausstatten willst oder eine automatisch generierte API benötigst. Der schnelle Docker-Start macht es ideal für Entwickler.
- Baserow gewinnt, wenn die Endnutzer nicht-technisch sind und eine polierte, intuitive UX wichtiger ist als technische Flexibilität. Die Workflow-Automationen sind deutlich ausgereifter.
Für Homelab-Projekte empfehlen wir einen schnellen Test beider Tools: NocoDB läuft in 2 Minuten mit Docker, Baserow in 5. Beide sind kostenlos nutzbar und können parallel evaluiert werden.