Proxmox Backup Server vs BorgBackup: Welche Backup-Lösung passt zu deinem Homelab?
Wer eine Proxmox-Umgebung betreibt, steht früher oder später vor der Frage: Welches Backup-Tool ist die richtige Wahl? Der Proxmox Backup Server (PBS) wurde speziell für Proxmox VE entwickelt und bietet tiefe Integration, während BorgBackup als universelle, deduplizierende Backup-Lösung seit Jahren im Self-Hosting-Bereich beliebt ist. Ich vergleiche beide Tools für realistische Homelab-Szenarien.
Was ist der Proxmox Backup Server?
Der Proxmox Backup Server ist eine eigenständige Backup-Lösung direkt von den Proxmox-Entwicklern – perfekt auf Proxmox VE abgestimmt. PBS ermöglicht inkrementelle, deduplizierende Backups von VMs und Containern, alles über die bekannte Proxmox-Weboberfläche.
Kernfunktionen von PBS:
- Client-seitige Deduplizierung und Verschlüsselung – Chunks werden nur einmal übertragen
- Inkrementelle Backups – nur geänderte Datenblöcke werden gesichert
- Direkte Integration in Proxmox VE – Backup-Jobs aus der PVE-Oberfläche konfigurieren
- Verify-Jobs – automatische Integritätsprüfung gespeicherter Backups
- Tape-Backup-Unterstützung – für physische Langzeitarchivierung
- Garbage Collection – automatische Bereinigung veralteter Chunks
PBS verwendet das Rust-basierte proxmox-backup-client-Binary als Client-Komponente. Die Kommunikation erfolgt verschlüsselt über HTTPS.
Was ist BorgBackup?
BorgBackup (kurz: Borg) ist eine quelloffene Backup-Software, die auf deduplizierender, komprimierender und verschlüsselnder Archivierung setzt. Borg ist dabei nicht auf Proxmox beschränkt – es kann beliebige Verzeichnisse, Dateien und mit Tricks auch VM-Images sichern.
Kernfunktionen von BorgBackup:
- Inhaltsbasierte Deduplizierung – identische Datenblöcke werden nur einmal gespeichert
- Mehrere Kompressionsalgorithmen – lz4, zstd, zlib, lzma
- End-to-End-Verschlüsselung – AES-256-CTR mit HMAC-SHA256
- Pruning-Strategien – flexible Aufbewahrungsregeln (stündlich/täglich/wöchentlich/monatlich)
- Borg Mount – Backups als FUSE-Dateisystem mounten und einzelne Dateien wiederherstellen
- Borgmatic – Konfigurationsbasierter Wrapper für automatisierte Backups
- SFTP/SSH-Transport – Backups direkt auf Remote-Server
Direkter Vergleich: PBS vs BorgBackup
| Kriterium | Proxmox Backup Server | BorgBackup |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Proxmox VE Nutzer | Alle Plattformen |
| VM-Backups | Nativ (QEMU/LXC) | Nur mit Tricks (Block-Device) |
| Deduplizierung | ✅ (Chunk-basiert) | ✅ (Content-defined) |
| Verschlüsselung | ✅ (AES-256) | ✅ (AES-256-CTR) |
| Web-UI | ✅ Vollständig | ❌ (CLI + BorgWeb optional) |
| Inkrementell | ✅ | ✅ |
| Cross-Plattform | ❌ (Proxmox-spezifisch) | ✅ (Linux, macOS, BSD) |
| Installation | ISO oder Package | Single Binary |
| Community | Proxmox-Forum | Sehr aktiv (GitHub) |
Szenario 1: Proxmox VE Homelab mit VMs und Containern
Hier ist der Proxmox Backup Server die eindeutig bessere Wahl. PBS kennt das interne Format von QEMU-Images und LXC-Containern und kann daher echte inkrementelle Backups erstellen, ohne die VM zu stoppen.
PBS-Vorteil: Bei einer 50-GB-VM mit täglich 2 GB Änderungen werden nur ~2 GB pro Backup übertragen – nicht die vollen 50 GB. Das ist dramatisch effizienter als ein dd-basiertes Image-Backup.
Setup-Beispiel PBS:
# PBS als separates System installieren (Debian Bookworm)
echo "deb http://download.proxmox.com/debian/pbs bookworm pbs-no-subscription" > /etc/apt/sources.list.d/pbs.list
apt update && apt install proxmox-backup-server
# In PVE: Datacenter → Storage → Add → Proxmox Backup Server
# Host: IP-des-PBS, Datastore: backups, Fingerprint: aus PBS-UI kopieren
PBS läuft am besten auf dedizierter Hardware – ein alter Rechner mit großer Festplatte reicht vollständig.
Szenario 2: Gemischte Umgebung (Server + Desktops + Proxmox)
Für eine heterogene Umgebung mit verschiedenen Systemen ist BorgBackup flexibler. Du kannst Borg auf jedem Linux-System installieren und alle Backups in dasselbe Borg-Repository schreiben – mit zentraler Deduplizierung über alle Hosts.
Borgmatic-Konfiguration für automatisierte Backups:
# /etc/borgmatic/config.yaml
repositories:
- path: user@backup-server:/repo/homelab
label: remote
source_directories:
- /home
- /etc
- /var/lib
retention:
keep_daily: 7
keep_weekly: 4
keep_monthly: 12
encryption_passphrase: "your-secure-passphrase"
Borgmatic führt dann automatisch borg create, borg prune und borg check aus.
Szenario 3: Kombinierter Ansatz
Viele Homelab-Betreiber nutzen beide Tools parallel:
- PBS für Proxmox-VMs und LXC-Container (automatisiert über PVE)
- BorgBackup für Bare-Metal-Systeme, NAS und externe Server
Diese Kombination ist oft die sinnvollste Lösung, da beide Tools unterschiedliche Stärken haben und sich nicht gegenseitig ersetzen.
Speicherplatz: Wie viel spart Deduplizierung?
In der Praxis lassen sich mit Deduplizierung erhebliche Einsparungen erzielen:
- PBS: Bei ähnlichen VMs (z.B. mehrere Ubuntu-Instanzen mit gleicher Basis) können Einsparungen von 60–80 % erreicht werden
- BorgBackup: Bei typischen Serverbackups sind 40–70 % Einsparung realistisch
Faustregel: Je mehr ähnliche Daten du sicherst, desto effektiver ist die Deduplizierung.
Recovery-Zeiten im Vergleich
| Szenario | Proxmox Backup Server | BorgBackup |
|---|---|---|
| Vollständige VM | ✅ Sehr schnell (direkte Wiederherstellung) | ⚠️ Langsamer (Image extrahieren) |
| Einzelne Datei | ✅ Möglich via PBS-UI | ✅ Über Borg Mount |
| Disaster Recovery | ✅ Direkt in PVE | ⚠️ Manuelle Schritte nötig |
| Bare-Metal | ❌ Nicht unterstützt | ✅ Vollständig |
3-2-1-Backup-Strategie mit PBS und Borg
Die bewährte 3-2-1-Backup-Strategie (3 Kopien, 2 verschiedene Medien, 1 Off-Site) lässt sich mit PBS + BorgBackup gut umsetzen:
- Kopie 1: PBS auf lokaler NAS/Server (primäres Backup für schnelle Recovery)
- Kopie 2: BorgBackup auf separatem lokalen System (zweite On-Site-Kopie)
- Kopie 3: BorgBackup auf externem SSH-Server oder Cloud-Speicher (Off-Site)
BorgBackup unterstützt dabei Borg Repository Server oder borgbase.com als dediziertes Hosting.
Mein Fazit: Wann welche Lösung?
Proxmox Backup Server wählen, wenn:
- Du ausschließlich Proxmox VE einsetzt
- Du eine einfache, integrierte Backup-Lösung ohne Scripting möchtest
- VM-Recovery-Zeit kritisch ist
- Du das Proxmox-Ökosystem vollständig nutzen möchtest
BorgBackup wählen, wenn:
- Du eine heterogene Umgebung mit verschiedenen Systemen betreibst
- Du maximale Flexibilität und Portabilität benötigst
- Du Backups auf Standard-SSH-Servern ablegen möchtest
- Du CLI-basiertes Tooling bevorzugst
Für die meisten Homelab-Betreiber mit Proxmox VE ist PBS die bessere Wahl – die nahtlose Integration spart Zeit und Konfigurationsaufwand. Wer zusätzlich externe Systeme sichern möchte, ergänzt PBS sinnvoll mit BorgBackup.
Weiterführende Artikel
- Proxmox VE vs. VMware ESXi: Hypervisor-Vergleich für Homelab
- Proxmox VE: Virtualisierung im Home-Lab – Setup-Guide
- Restic vs. Borg Backup: Backup-Lösungen für Server und Self-Hosting
- Duplicati vs. Kopia: Backup-Software für Server und NAS im Vergleich