NAS selbst bauen oder kaufen?

Wer ein Network Attached Storage für das Homelab betreiben möchte, steht vor der Wahl: ein Fertig-NAS von Synology oder QNAP – oder eine eigene Hardware mit spezialisiertem Betriebssystem. TrueNAS und Unraid sind die zwei dominierenden Open-Source-NAS-Betriebssysteme für diese Aufgabe.

Beide laufen auf handelsüblicher x86-Hardware, beide unterstützen Netzwerk-Shares, Docker-Container und viele Speicher-Konfigurationen. Aber ihre Ansätze für Datensicherheit, RAID und Erweiterbarkeit sind grundlegend verschieden.


TrueNAS SCALE: ZFS als Fundament

TrueNAS SCALE (ehemals FreeNAS) von iXsystems ist seit 2020 das Linux-basierte Flaggschiff der TrueNAS-Familie. Es nutzt OpenZFS als Dateisystem – den Goldstandard für Datensicherheit.

ZFS: Warum es anders ist

ZFS bietet Schutz gegen Datenkorruption, der bei anderen Dateisystemen fehlt:

  • Copy-on-Write: Jeder Schreibvorgang erstellt eine neue Kopie, nie Überschreiben von Live-Daten
  • Checksumming: Jeder Datenblock wird geprüft – stille Korruption (Bit Rot) wird erkannt und korrigiert
  • Snapshots: Point-in-Time Backups ohne Datenkopie, in Sekunden erstellt
  • Datendeduplizierung: Identische Blöcke werden nur einmal gespeichert (RAM-intensiv)
# ZFS Pool erstellen mit Raidz1 (RAID-5 Äquivalent)
zpool create datapool raidz1 /dev/sdb /dev/sdc /dev/sdd

# Snapshot erstellen
zfs snapshot datapool/media@2026-08-23

# Pool-Status prüfen
zpool status datapool

Hardware-Anforderungen

TrueNAS SCALE hat spezifische Anforderungen:

  • RAM: Minimum 8 GB, empfohlen 16–64 GB (ZFS ist RAM-hungrig)
  • ECC-RAM: Stark empfohlen für Produktionseinsatz (erkennt Bit Flips)
  • CPU: Modernes x86-System, ARM nicht unterstützt
  • Boot-Device: Separates USB-Stick oder SSD nur für OS

Apps und Kubernetes

TrueNAS SCALE bietet einen App-Store auf Basis von Kubernetes + Helm Charts:

  • Plex, Jellyfin, Nextcloud, Vaultwarden
  • Einzelne Apps und komplexe Stacks
  • Community Catalog für erweiterte Apps

Docker Compose wird seit SCALE 24.10 ("Electric Eel") nativ über Apps unterstützt.

SMB/NFS Shares

Shares für Windows-Netzwerke (SMB) und Linux (NFS) sind über die Weboberfläche schnell eingerichtet:

# Über Web-UI: Storage → Shares → Add Windows Share
# Dataset: /mnt/datapool/media
# Name: media
# → SMB Share: \\truenas\media

Unraid: Flexibilität über Purismus

Unraid von Lime Technology verfolgt einen anderen Ansatz: kein Standard-RAID, stattdessen ein eigenes Parity-System, das auf Consumer-HDDs optimiert ist.

Das Unraid-Array: Kein echtes RAID

Unraid nutzt kein RAID 1/5/6. Stattdessen:

  • Parity-Disk: 1–2 Parity-Disks sichern das Array (wie RAID-5)
  • Beliebige Disk-Größen: Im Gegensatz zu RAID können Disks unterschiedlich groß sein
  • Einzeldisk-Lesezugriff: Jede Datei liegt vollständig auf einer Disk (kein Striping)
  • Einfache Erweiterung: Einfach neue Disk hinzufügen, kein Array-Rebuild nötig
Unraid Array Beispiel:
Parity: 16 TB
Disk 1: 8 TB (Filme)
Disk 2: 12 TB (Serien)
Disk 3: 4 TB (Fotos)
→ Nutzbar: 24 TB, Schutz gegen 1 Disk-Ausfall

Der Trade-off: Kein Bit-Rot-Schutz wie ZFS, dafür einfachste Disk-Verwaltung.

Docker und VMs: Unraids Stärke

Unraid glänzt als Allround-Plattform:

Docker-Container werden direkt über das Web-UI verwaltet:

# Unraid Community Applications stellt Templates bereit
# Für Plex, Jellyfin, arr-Stack, Home Assistant etc.
# GUI-basiertes Container-Management ohne CLI

KVM-VMs mit GPU-Passthrough: Unraid erlaubt es, eine dedizierte GPU direkt an eine VM durchzureichen – ideal für Gaming-VMs oder AI-Workloads.

Cache-Pool mit SSDs

Unraid kombiniert langsame HDDs im Array mit einem SSD-Cache-Pool:

  • SSD-Cache: Temporärer Hochgeschwindigkeits-Speicher
  • Mover: Verschiebt automatisch Daten nachts vom Cache auf die Array-Disks
  • Appdata: Docker-Daten liegen auf dem schnellen Cache, nicht dem Array

Lizenzkosten

Unraid ist nicht kostenlos. Die Preise für 2026:

  • Basic (6 Disks): 59 USD
  • Plus (12 Disks): 89 USD
  • Pro (unlimitiert): 129 USD

Die Lizenz ist einmalig und beinhaltet lebenslange Updates.


Direkter Vergleich: TrueNAS vs Unraid

Kriterium TrueNAS SCALE Unraid
Kosten Kostenlos 59–129 USD einmalig
Dateisystem OpenZFS (Bit-Rot-Schutz) Proprietär + Parity
RAM-Anforderung 8–64 GB (ZFS) 4+ GB
ECC-RAM Stark empfohlen Optional
Disk-Mischung Gleiche Größen im Pool Beliebige Größen
Docker Via Apps/Kubernetes Nativ, GUI-basiert
VM-Passthrough Möglich Exzellent (GPU)
Erweiterbarkeit Pool-Rebuild nötig Disk einfach hinzufügen
Datensicherheit Sehr hoch (ZFS) Mittel (kein Checksumming)
Einstieg Komplex Einfacher

Für wen ist welches System besser?

TrueNAS SCALE ist die richtige Wahl, wenn:

  • Datensicherheit und Integrität höchste Priorität haben
  • Du professionelle NAS-Funktionen brauchst (iSCSI, Fibre Channel)
  • Du Enterprise-Features ohne Enterprise-Preise willst
  • ECC-RAM vorhanden ist

Unraid ist die richtige Wahl, wenn:

  • Du Consumer-HDDs verschiedener Größen nutzen möchtest
  • Docker und VMs (besonders mit GPU-Passthrough) wichtig sind
  • Du einfaches Hinzufügen von Disks ohne Rebuild bevorzugst
  • Du ein Heimkino-Server (Plex/Jellyfin) aufbaust

ZFS auf Unraid: Die dritte Option

Seit Unraid 7.0 gibt es experimentelle ZFS-Unterstützung als parallele Pools neben dem klassischen Array. Das gibt Unraid-Nutzern optional ZFS-Schutz, ohne die Array-Flexibilität zu verlieren.


Mein Fazit

Für maximale Datensicherheit und professionelle NAS-Funktionen ist TrueNAS SCALE die bessere Wahl. ZFS mit Checksumming und Snapshots schützt deine Daten langfristig.

Für ein flexibles Homelab-Allroundsystem mit GPU-Passthrough, einfachem Docker-Management und der Möglichkeit, Disks unterschiedlicher Größen zu mischen, ist Unraid unübertroffen. Die einmalige Lizenzgebühr ist für den Mehrwert fair.

Wer beides vereinen will, kann mit Unraid 7.0 ZFS-Pools für kritische Daten nutzen und das Unraid-Array für Medien-Storage.

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