Penpot vs. Figma: Open-Source Design Tool im Vergleich 2026

Figma ist seit Jahren das Standardwerkzeug für UI/UX-Design. Doch seit der gescheiterten Adobe-Übernahme (2023) und den Preiserhöhungen 2024 suchen viele Teams nach Alternativen. Penpot hat sich als ernstzunehmende Open-Source-Alternative etabliert – aber wie groß ist der Unterschied wirklich?


Kurzüberblick

Figma ist das führende browserbasierte Design-Tool für kollaboratives UI/UX-Design. SaaS, proprietär, monatlich abonniert.

Penpot ist das erste Open-Source-Design-Tool, das vollständig browserbasiert ist und auf offenen Web-Standards (SVG, CSS) basiert. Self-Hostable und kostenlos.

Der Kernunterschied: Figma ist polierter und reifer; Penpot ist frei, offen und zukunftssicher.


Figma: Der Industriestandard

Figma hat den Designmarkt in den letzten Jahren geprägt. Die kollaborative, browserbasierte Echtzeit-Zusammenarbeit war revolutionär – und ist heute selbstverständlich.

Was Figma auszeichnet

Kollaboration in Echtzeit: Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig an einer Datei, sehen Cursor der anderen, kommentieren direkt im Design.

Dev Mode: Entwickler können Komponenten inspizieren, CSS-Werte und Maße ablesen, Assets exportieren – ohne eigene Figma-Lizenz (readonly).

Component Libraries: Figma unterstützt geteilte Komponentenbibliotheken über Teams hinweg mit Versionierung und Publish-Workflow.

Variables (2024): Token-basiertes Design-System mit Wechsel zwischen Light/Dark Mode und Breakpoints direkt in Figma.

Prototyping: Interaktive Prototypen mit Animationen, Scrollverhalten, Component-Swaps direkt in Figma.

Auto-Layout: Flexbox-analoges Layout-System für responsive Komponenten ohne manuelles Anpassen.

Plugin-Ökosystem: Tausende Plugins für Icons, Dummy-Daten, Barrierefreiheits-Checks, Code-Export.

Figma Pricing 2026

Plan Preis Features
Starter Kostenlos 3 Projekte, 1 Team
Professional ~15 €/Monat/Editor Unbegrenzte Projekte, Libraries
Organization ~45 €/Monat/Editor SSO, advanced Admin
Enterprise Verhandlungssache Custom SLA

Die Preiserhöhungen 2024 (Professional von 12 auf 15 €) und die Entscheidung, Features wie Figma AI in höhere Pläne zu verschieben, haben Unmut ausgelöst.

Figma Schwächen

  • Vendor Lock-in: Dateien in Figma-Format; Export nach SVG/PDF funktioniert, aber viele Eigenschaften gehen verloren
  • Keine Self-Hosting-Option: Daten liegen auf Figmas Servern – kritisch für Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen
  • Preise: Für große Teams mit vielen Designern wird Figma schnell teuer
  • Offline-Modus: Seit 2024 gibt es eine Desktop-App mit eingeschränktem Offline-Mode – aber nicht gleichwertig

Penpot: Open Source, browserbasiert, SVG-nativ

Penpot wurde von Taiga (einem spanischen Open-Source-Unternehmen) entwickelt und ist seit 2022 stabil. Version 2.0 (2024) brachte einen umfangreichen Redesign und erhebliche Performance-Verbesserungen.

Was Penpot anders macht

SVG-nativ: Penpot speichert alles als SVG. Das bedeutet: Was du siehst, entspricht dem tatsächlichen SVG-Output – kein Übersetzungsschritt für Web-Exports.

CSS-basiertes Layout: Penpot 2.0 bringt ein CSS Grid- und Flexbox-basiertes Layoutsystem, das sich direkt in CSS übertragen lässt.

Open-Source und Self-Hostable:

# Penpot via Docker Compose
curl -o docker-compose.yaml \
  https://raw.githubusercontent.com/penpot/penpot/main/docker/images/docker-compose.yaml
docker compose -p penpot -f docker-compose.yaml up -d

Design Tokens (Penpot 2.x): Unterstützung für W3C-Design-Tokens-Standard – Token-Export in JSON, Import aus Figma Tokens oder Style Dictionary.

Was Penpot noch nicht kann (oder schlechter)

Prototyping: Interaktive Prototypen existieren, sind aber weniger ausgereift als Figma. Komplexe Animationen, Smart Animate und Scroll-Verhalten sind eingeschränkt.

Component Properties: Figmas component properties (Boolean, Text, Instance swap) sind seit Penpot 2.1 verfügbar, aber die Workflow-Integration ist noch nicht gleichwertig.

Plugin-Ökosystem: Penpot hat ein Plugin-API (seit 2.4), aber das Ökosystem ist noch klein verglichen mit Figma.

Performance bei großen Dateien: Bei sehr großen Designs (viele Frames, komplexe Animationen) ist Penpot noch spürbar langsamer als Figma.

Dev Inspect: Die Developer-Handoff-Funktion (CSS-Werte, Abstände ablesen) ist in Penpot 2.x vorhanden aber weniger komfortabel als Figmas Dev Mode.


Direkter Feature-Vergleich

Feature Figma Penpot
Preis Ab 15 €/Monat Kostenlos (Open Source)
Self-Hosting
Open Source ✓ (MPL-2.0)
Echtzeit-Kollaboration
SVG-nativer Export Eingeschränkt ✓ (nativ)
CSS Grid Layout ✓ (begrenzt) ✓ (nativ)
Auto-Layout / Flex ✓ (ausgereift) ✓ (ab v2.0)
Prototyping ✓ (ausgereift) Basis
Design Variables/Tokens ✓ (ausgereift) ✓ (W3C-Standard)
Component Libraries
Plugin-Ökosystem ✓ (tausende) Wächst (seit v2.4)
Dev Inspect ✓ Dev Mode ✓ (weniger Komfort)
SSO/SAML ✓ (Enterprise) ✓ (Self-Hosted)
DSGVO/On-Premise
Import aus Figma ✓ (.fig-Dateien)

Wann du Penpot wählen solltest

Datenschutz und Compliance: Wenn Designs nicht auf fremden Servern liegen dürfen – regulierte Branchen, Behörden, Startups in der EU mit striktem Datenschutzkonzept.

Open-Source-Prinzip: Wenn Vendor Lock-in strategisch vermieden werden soll und die Community-getriebene Weiterentwicklung wichtiger ist als kurzzeitige Feature-Parität.

Kosten: Für Teams mit vielen Designern macht sich die Kosteneinsparung schnell bemerkbar. 10 Designer × 15 €/Monat = 1.800 €/Jahr bei Figma; bei Penpot nur Hosting-Kosten.

Entwickler-Orientierung: SVG-native Ausgabe und CSS-basiertes Layout machen Penpot für Entwickler, die eng mit Designs arbeiten, attraktiver.

Migration von Figma zu Penpot

Penpot kann .fig-Dateien importieren (experimentell). Die Qualität des Imports ist gut für einfache Designs, bei komplexen Komponenten und Auto-Layout-Setups gehen Details verloren. Plan für eine Migration: 20–30 % Nachbearbeitung einkalkulieren.


Wann du bei Figma bleiben solltest

Ausgereiftes Prototyping: Wenn interaktive Prototypen mit Animationen, Smart Animate und komplexem Scrollverhalten zentral sind.

Größeres Team mit Designern und Nicht-Designern: Figmas Polierung und das Dev-Mode-Konzept machen die Cross-Function-Zusammenarbeit reibungsloser.

Plugin-Abhängigkeiten: Wenn ihr spezifische Figma-Plugins nutzt, die kein Penpot-Äquivalent haben.

Onboarding-Speed: Neue Designer kennen Figma – Schulungsaufwand bei Penpot einplanen.


Self-Hosting von Penpot: Was zu beachten ist

Penpot benötigt für den Betrieb:

- PostgreSQL (Datenbank)
- Redis (Cache/Sessions)
- S3-kompatibles Objektspeicher (MinIO oder AWS S3)
- Penpot Backend (Clojure)
- Penpot Frontend (ClojureScript)
- Penpot Exporter (für Exporte)

Der Docker-Compose-Stack läuft auf einem einzelnen Server problemlos. Für Produktionsbetrieb empfiehlt sich:

  • Mindestens 4 GB RAM
  • Externes Object Storage (MinIO eignet sich hervorragend)
  • SMTP für Einladungs-E-Mails
  • HTTPS via Traefik oder Caddy

Fazit

Penpot ist 2026 kein „Figma für arme Leute" mehr – es ist eine vollwertige, eigenständige Design-Plattform mit klaren strategischen Vorteilen: Open Source, Self-Hosting, SVG-nativ, DSGVO-konform.

Für Teams, die Figma heute produktiv nutzen und keine akuten Probleme haben, lohnt ein sofortiger Wechsel nicht. Für neue Teams, für Projekte mit Datenschutz-Anforderungen oder für Open-Source-Unternehmen ist Penpot die erste Wahl.

Die Frage ist nicht mehr, ob Penpot eine ernsthafte Alternative ist – die ist. Die Frage ist, ob die Feature-Lücken (Prototyping, Plugin-Ökosystem) für euren Workflow entscheidend sind.


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